Doch inwieweit ist Landhanteltraining für den Golfschwung wirklich sinnvoll? Können auch im höheren Alter noch Muskeln aufgebaut werden? Wie wichtig sind Stabilität und Beweglichkeit für eine höhere Schwungpräzision? Diesen und weiteren Fragen widmete sich der Erste Golf-Fitness-Summit in Frankfurt, organisiert von Fabian Bünker (Landestrainer GVNB – die Green berichtete in der letzte Ausgabe) und Martin Zawieja (ehemaliger Gewichtheber und Olympia-Bronze-Medaillengewinner; Dozent an der Trainerakademie Köln).


Der Summit war mit rund 180 Teilnehmern – trotz des Karneval-Wochenendes – sehr gut besucht. Golftrainer, Physio-Coaches, Sportwissenschaftler, Mediziner, Personaltrainer und Fitness-interessierte Amateure hörten aufmerksam den über 20 Referenten zu. Bei den Vorträgen ging es um sämtliche Golf-Fitness-Facetten: Kognition, Koordination, Kondition, Kraft, Leistungsdiagnostik, etc.


Getreu dem Motto: „The Future is now“ plädieren die Experten Bünker und Zawieja dafür, die Zusammenarbeit im Golf-Athletiktraining zu stärken. Denn wo die Arbeit am Schwung des Golfcoachs aufhört, fängt die Arbeit des Physios an, wie Fabian Bünker zur Eröffnung des Golf-Fitness-Summits verkündete. Sinnvoll wäre, wenn jeder Golfer – ganz egal welcher Leistungsstärke – wüsste, welche Muskeln wofür zuständig sind und wie diese effektiv trainiert werden können. So können simple Koordinations- und Kraftübungen sogar in den Alltag eingebaut werden. Zur Kräftigung der Hände bedarf es beispielsweise nicht immer zwingend eines modernen Physiobandes; Teppichklopfer oder Tennisschläger sind auch hilfreich. Selbst die klassische Prallbewegung mit einem auf dem Boden aufprallenden Ball dient der Stärkung der Hände. Und auch das mittlerweile immer populärer gewordene Faszientraining mit Hilfe einer kleinen Hartschaumrolle stimuliert die Muskulatur und steigert die Flexibilität.


Highlight des Wochenendes war unter anderem der Vortrag von Kai Fusser. Der gebürtige Deutsche ging vor 30 Jahren nach Orlando, um dort mit den weltbesten Spitzensportlern zusammen zu arbeiten. Er coachte keine Geringere, als Ausnahmegolferin Annika Sörenstam. Nachdem die damals Weltranglistenerste von November 2001 bis April 2002 intensiv mit Fusser zusammengearbeitet hat, wurden innerhalb von lediglich sechs Monaten ihre Drives um 20 Meter länger und sie gewann in der Folgesaison 2002 18 von 25 gespielten Turnieren. Fusser betont Sörenstams Trainingseifer. Talent gepaart mit dem Willen zur Perfektion. So trainierte Sörenstam Klimmzüge mit einem Zusatzgewicht von 25 Pfund, Kniebeugen mit einer Langhantel von 140 kg und Curls mit 23 kg. Die Botschaft von Fusser wurde deutlich: Fitness bringt einen technisch saubereren Bewegungsablauf, mehr Kraft, mehr Geschwindigkeit und Balance. „Man muss den Körper auf eine lange Fitness-Karriere vorbereiten“, so Fussers Credo.


Wichtig seien dabei die Prinzipien von Ladung und Entladung. Im Rückschwung des Golfschwungs lädt sich der Körper mit Spannung auf. Gleich einer Sprungfeder dreht sich der Golfer ein seinen Rückschwung rein und baut Energie auf, die es dann im Durchschwung bei Kraftübertragung auf den Ball zu entladen gilt. Diese Energieabgabe gleich eines Ballwurfs ist eine sehr gute Übung für den Golfschwung. Der perfekte Schwung ist der, den wir nicht spüren, da sich alles um das Zentrum unserer Achse verteilt.


Im Spitzensportbereich wird schon lange diskutiert, ob ein sportartspezifisches Training für eine effektivere Leistungssteigerung zwingend notwendig sei. Mit anderen Worten: müssen sich Golfspieler grundlegend anders fit halten, als beispielsweise Tennisspieler oder Wakeboarder? Fussers Antwort ist klar: Nein! Seiner Meinung nach, wird sportartspezifisches Training überbewertet; man müsse einfach fit sein!


Der Golf-Fitness-Summit brachte auch klare Aussagen bezüglich des Krafttrainings und räumte mit ein paar Mythen auf: So sei – laut Christian Thomas (Trainerakademie Köln) – für Kinder das goldene Lernzeitalter 9-12 Jahre. Besonderer Fokus ist dabei auf die Qualität des Bewegungsablaufs zu legen. Erst, wenn ein Besenstil gleich einer Langhantel technisch korrekt nah am Körper entlang geführt wird, darf das Gewicht erhöht werden. Und auch im hohen Alter ist Krafttraining zum Muskelaufbau sinnvoll. Es ist also nie zu spät noch was für seine Fitness zu tun!


Deutlich wurde auch die Relevanz der Signalverarbeitung im zentralen Nervensystem. Ein trainierter Geist kann den eigenen Körper besser ansteuern und neue Bewegungsmuster sauberer umsetzen und sich auch auf Veränderungen in der Umgebung schneller einstellen. Golfer sind während der Runde bedingt durch die Natur immer wieder unvorhersehbaren Veränderungen und Ablenkungen ausgesetzt: seien es Schattenspiele, Regenunterbrechung, starker Break-Putt, ungewöhnliche Geräuschkulisse, etc. Ein Sportler muss nicht nur fit sein, sondern sich auch schnell auf neue Spielsituationen einstellen können.


Wir haben also gelernt: egal, wie alt oder jung man ist: eine bessere Fitness dient immer der Leistungssteigerung. Der nächste Golf-Fitness-Summit wird erst in zwei Jahren ausgerichtet werden. Bis dahin kann im Bereich der Leistungsdiagnostik noch viel gemessen werden, um vielleicht DIE Methode zu finden, wie ein jeder noch schneller besser und athletischer werden kann. Deutlich wurde auch auf dem Summit, dass der Spaß nicht zu kurz kommen darf. Und Bewegung bringt Spaß – vielleicht findet man dann neben dem Golfplatz noch Zeit für ein wenig Zusatztraining, um dann noch mehr Spaß an tollen Schlägen auf dem Golfplatz zu haben.

Der 2. Golf- Fitness- Summit wird am 13./14. Januar 2018 wieder in Frankfurt stattfinden. Weitere Informationen dazu gibt es unter www.golf-fitness-summit.de

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